Computer-assistierte Chirurgie
Die moderne Medizin hilft uns enorm in unserem Alltag die Behandlungssicherheit zu verbessern. Technologien wie Robotik, 3D-Druck oder individuell hergestellte Implantate ermöglichen es uns, individuell auf die Bedürfnisse unserer Patientinnen und Patienten einzugehen. Dadurch können komplexe Ausgangssituationen vereinfacht oder Grenzen der medizinischen Behandlung ausgedehnt werden. Unser Team von Spezialistinnen und Spezialisten konnte bereits in vielen wissenschaftlichen Studien die verbesserte Patientensicherheit durch Computer-assistierte Chirurgie aufzeigen.

Robotik im Bereich der Knie-Endoprothetik
In der Universitätsklinik für Orthopädie setzen wir auf das robotisch-assistierte System für Knie-Endoprothesen. Unsere Spezialisten nutzen diese Technologie, um die individuelle Anatomie der Patienten präzise zu analysieren und das Implantat optimal auszurichten. Ziel ist es, die ursprünglich gesunde Gelenksituation wiederherzustellen.


Mithilfe eines robotischen Systems wird im Operationssaal ein präzises, strahlungsfreies 3D-Modell des Kniegelenks erstellt. Dieses System erfasst auch wichtige Daten zur Bandspannung (insbesondere der Außenbänder).
Auf Basis dieser Informationen erstellt das OP-Team einen individuellen Operationsplan, der die bestmögliche natürliche Ausrichtung des Implantats festlegt. Der wesentliche Vorteil ist die Möglichkeit, das Operationsergebnis zu simulieren, bevor irreversible Schritte am Knochen vorgenommen werden.
Dies führt zu:
- Einem geringeren Komplikationsrisiko.
- Einem gewebeschonenderen Vorgehen.
- Einer hohen Wahrscheinlichkeit für ein optimales Operationsergebnis
Abbildung 1:Intraoperatives Bedienfeld zur präzisen Implantatausrichtung. Die Knieprothese kann in Millimeterschritten 360° im Raum positioniert werden. Gleichzeitig wird das postoperative Ergebnis hinsichtlich der Beinachse und dem wichtigen Gelenkspiel simuliert.
Abb. 2: Robotisch-kontrollierte Präzsisionsfräse. Diese arbeitet nur, wenn sie sich im Operationsgebiet befindet. Andernfalls stoppt sie sofort. Dadurch wird eine exakte Umsetzung des operativen Plans erreicht und umliegendes Gewebe geschont.

In seltenen Fällen kann die individuelle Biomechanik eines Gelenks - sei es Hüfte oder Knie – mit Hilfe von modernen Standardimplantaten, in Kombination mit Robotik im Bereich des Knies oder Navigation im Bereich der Hüfte, nicht bestmöglich wiederhergestellt werden. Dann können wir auf individuell angefertigte Sonderimplantate zurückgreifen. Diese ermöglichen uns spezielle knöcherne Fehlstellungen der Gelenke zu korrigieren und rekonstruieren, sodass der Weichteilapparat keiner unnötigen chirurgischen Behandlung ausgesetzt ist und die Verankerung im Knochen ein langanhaltendes Leben mit dem Implantat ermöglicht. Die Verwendung solcher Implantate für spezielle Fragestellungen führt zu einer verbesserten PatientInnenzufriedenheit sowie einer Reduktion von Folgeeingriffen. Als Basis für die Planung solcher Implantate ist die Anfertigung einer speziellen Computertomographie notwendig. Anhand dessen wird die Anatomie analysiert und das Individualimplantat geplant und hergestellt.

Bestehen Abweichungen der Lastachse – wie z.B. starke O- und X-Beine - oder Drehfehler im Bereich der unteren Extremität, kann es zur Vermeidung von einem frühzeitigen Verschleiß oder sogar bei einem beginnenden Verschleiß eine Umstellungsosteotomie notwendig sein. Dabei werden die betreffenden Knochen durch einen kontrollierten Sägeschnitt mit einer anschließenden Korrektur und Stabilisierung in ihrer Ausrichtung verändert. Individuell mittels 3D Druck angefertigte Schnittschablonen (Abb. 4) stellen eine besondere Hilfe dar. Auf Basis einer präoperativ angefertigten speziellen CT-Bildgebung wird die jeweilige Anatomie der einzelnen PatientInnen analysiert und die notwendige Korrektur exakt berechnet. Durch die Schnittschablonen kann dann der präoperative Plan exakt in die Tat umgesetzt werden. Durch diese computer-assistierte Kontrolle können Fehler in der Achsausrichtung und der Plattenlage deutlich reduziert werden.
Abb.: Bild einer digitalen 3D Planung der schnittblockgesteuerten Umstellungsosteotomie im Bereich der proximalen Tibia zur Überprüfung der Lage des Schnittblockes und Osteotomieebene. Die vorgeplante Plattenposition und Schnittführung ermöglicht ein präzises und sicheres Arbeiten.
3D-gedruckte Sonderimplantate werden zunehmend bei aufwendigen Wechseloperationen an Hüfte und Knie von Totalendoprothesen eingesetzt. Diese Implantate werden speziell für den einzelnen Patienten entworfen und gedruckt, um eine perfekte Passform und eine optimale Funktion zu gewährleisten.
Eine aufwendige Wechseloperation an einer Hüfte oder einem Knie kann erforderlich werden, wenn eine Totalendoprothese aufgrund von Verschleiß, Lockerung, Infektion oder anderen Komplikationen ausgetauscht werden muss. In einigen Fällen kann die Anatomie des Patienten jedoch so komplex sein, dass eine Standardprothese nicht geeignet ist.
In diesen Fällen können 3D-gedruckte Sonderimplantate eine Lösung sein. Ein solches Implantat wird mithilfe von Computertomographie-Bildern des betroffenen Körperteils entworfen und mit Hilfe eines 3D-Druckers hergestellt. Dadurch kann eine perfekte Passform des Implantats erreicht werden, die den Patientenkomfort und die Beweglichkeit verbessert. Zusätzlich können 3D-gedruckte Sonderimplantate auch eine bessere Stabilität und Haltbarkeit bieten, da sie speziell für die anatomischen Bedingungen des Patienten entworfen wurden. Biomechanische Nachteile gegenüber Standardverfahren bestehen nicht.
Hauptansprechpartner

Priv.-Doz. Dr. med. Peter Savov

