Schwerpunkte der Universitätsklinik für Augenheilkunde
Hornhaut- und Bindehauterkrankungen

Behandlungen der Hornhaut
In unserer Universitätsklinik für Augenheilkunde im Pius-Hospital sind wir unter anderem auf die Erforschung und Therapie von Hornhauterkrankungen spezialisiert. Neben der Diagnostik und der konservativen Behandlung steht die operative Versorgung auch komplexer Hornhauterkrankungen besonders im Fokus.
Die Hornhaut wird auch als „Windschutzscheibe“ des Auges bezeichnet. Dieser gewölbte, durchsichtige vordere Teil des Auges besteht aus mehreren Schichten, die zusammen nur etwa einen halben Millimeter dick sind und keine Blutgefäße enthalten. Die Außenseite dient als Barriere gegen Keime und Fremdkörper, während die innerste Schicht die Transparenz der Hornhaut erhält. Weiterhin gewährleistet die Kornea gemeinsam mit der Linse eine optimale Lichtbrechung und damit eine gute Sicht.
Eine Schädigung oder eine Trübung der Hornhaut, z.B. durch Verletzungen, Verätzungen oder Infektionen kann zu einer deutlichen Verschlechterung der Sehfähigkeit führen, im schlimmsten Fall sogar bis zur Erblindung. Hornhautschäden sind die zweithäufigste Erblindungsursache weltweit. Menschen, die an einer Erkrankung ihrer Hornhaut leiden, können im Regelfall nur durch eine Transplantation geheilt werden.
Die Hornhauttransplantation ist die älteste und auch die am häufigsten durchgeführte sowie erfolgreichste Form einer Organ- bzw. Gewebeverpflanzung.
Besteht die Notwendigkeit einer Hornhauttransplantation, wird in einer sogenannten Hornhautbank der Augenkliniken ein passendes Transplantat gesucht. Hierbei handelt es sich um eine menschliche Hornhautspende. Doch nicht jeder kann sofort transplantiert werden, denn die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. So warten bundesweit derzeit circa 3.000 Menschen auf eine Spenderhornhaut. Die meisten Patienten müssen sich etwa ein Jahr gedulden, bis sie eine Spende erhalten. Jüngere Patienten warten meist jedoch erheblich länger. Da es für diese Patienten keine überbrückenden Ersatzbehandlungen bis zur Operation gibt – wie zum Beispiel die Dialyse bei Nierenerkrankungen – wirkt sich diese lange Wartezeit oft gravierend auf den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen und auch Ihrer Angehörigen aus. Ältere Menschen sind dadurch oft auf fremde Hilfe oder sogar auf das Seniorenheim angewiesen, da sie sich aufgrund des eingeschränkten Sehens oder der Erblindung nicht mehr selbst versorgen können. Für junge Menschen kann dies den Verlust des Arbeitsplatzes und die damit einhergehende Gefährdung ihrer sozialen Existenz bedeuten.
Mit dem Ziel Hornhautspenden bereit zu stellen, arbeitet das Pius-Hospital mit der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) zusammen.
Je nachdem welcher Teil der Hornhaut geschädigt ist, operiert der Chirurg die Hornhaut entweder ganz oder teilweise heraus. Dann schneidet er die Spenderhornhaut passgenau zurecht und vernäht sie mit dem Auge des Patienten.
In der Augenheilkunde unterscheidet man zwischen perforierender und lamellärer Hornhauttransplantation (=Keratoplastik).
Perforierende Keratoplastik
Die Standard-Methode, um eine funktionsunfähige Hornhaut durch neues Gewebe zu ersetzen, ist die perforierende Keratoplastik. Dabei wird die gesamte Augenhornhaut ausgetauscht. Das Transplantat wird mit zwei sehr dünnen Nylonfäden befestigt. Diese Fäden verbleiben bis zu eineinhalb Jahre, um der Augenhornhaut ausreichend Zeit zur Heilung zu geben. Auch wenn es einige Erkrankungen gibt, die nur durch eine perforierende Keratoplastik behandelt werden können, kommen seit kurzem überwiegend die neuen minimalinvasiven lamellären Verfahren zum Einsatz.
Lamelläre Keratoplastik
Bei der lamellären Keratoplastik werden nur einzelne Schichten der Hornhaut beim Patienten ersetzt. Dies hat den Vorteil, dass nur erkrankte Hornhautschichten entfernt werden und somit gesundes Gewebe erhalten bleibt.
Die lamellären Verfahren sind minimalinvasiv und haben dadurch den Vorteil, dass sie viel schonender für das betreffende Auge sind. Der Wundheilungsprozess ist meist nach wenigen Wochen abgeschlossen. Nach dem Eingriff erhöht sich die Sehschärfe in der Regel deutlich schneller und es kommt viel seltener zu einer Abstoßungsreaktion.
- DMEK
Bei der DMEK (= Descemet membrane endothelial keratoplasty) werden die inneren Schichten der Hornhaut ersetzt. Zu den inneren Schichten gehören die Descemetmembran und die darauf befindlichen Endothelzellen. Der Vorteil gegenüber der perforierenden Keratoplastik liegt in der Vermeidung von Oberflächenproblemen, einer geringeren Hornhautverkrümmung, einem reduzierten Abstoßungsrisiko sowie in der schnelleren Rehabilitation des Patienten nach dem Eingriff. - DALK
Bei der tiefen anterioren lamellären Keratoplastik werden alle Gewebeschichten der Hornhaut mit Ausnahme der Descemetmembran mit den darauf befindlichen Endothelzellen entfernt. Dieses Verfahren bietet sich bei Patienten an, bei denen ein Keratokonus (= fortschreitende Ausdünnung und kegelförmige Verformung der Hornhaut) oder oberflächliche Hornhautnarben diagnostiziert werden. Bei diesen Erkrankungen ist das Endothel in der Regel gesund und muss nicht ausgetauscht werden.
Allerdings gibt es schwere Erkrankungen, bei denen eine solche Hornhautverpflanzung scheitert oder nicht erfolgversprechend ist. Dies sind zum Beispiel schwere Verätzungen oder Verbrennungen der Augenoberfläche, aber auch ein schwer trockenes Auge. In diesem Fall kann versucht werden, dem Patienten eine „künstliche Hornhaut“, eine sogenannte Keratoprothese einzusetzen, um die Sehfähigkeit zu verbessern. Die Verwendung von Keratoprothesen als Alternative zur Hornhauttransplantation gilt bis heute als letztes Mittel zur Behandlung schwerster Hornhauterkrankungen, bei denen Behandlungsversuche mit einer menschlichen Hornhauttransplantation bereits gescheitert sind oder nur eine äußerst geringe Aussicht auf Erfolg besteht. Aufgrund seiner Komplexität sollte dieser Eingriff immer in einer Einrichtung mit der entsprechenden Erfahrung vorgenommen werden. Die Prothese – hier gibt es verschiedene Varianten – wird ähnlich wie eine Spenderhornhaut eingenäht. Die Verwendung künstlicher Hornhäute befindet sich zurzeit noch in der Erforschung. Weitere Verbesserungen von Material, Verträglichkeit und Belastbarkeit der Prothesen sind zukünftig zu erwarten.

Hornhautspenden
Die Verpflanzung von Gewebetransplantaten ermöglicht schwerkranken Menschen den Weg zurück ins Leben. Oft beendet solch ein Eingriff lange Phasen des Leidens. Die Transplantation von Herzklappen und Blutgefäßen rettet Leben oder bewahrt vor Amputationen. Knochentransplantate bringen Mobilität zurück. Und: Menschen können dank einer Spenderhornhaut wieder sehen. Diese Erfolge sind nur möglich, wenn sich Menschen bereit erklären, Gewebe zu spenden. Die Gewebespende nach dem Tod ist eine freiwillige, humanitäre Entscheidung – für viele ein Akt der Nächstenliebe.
An der Universitätsklinik für Augenheilkunde am Pius-Hospital werden unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Stefan Schrader Hornhauttransplantationen durchgeführt, um Patienten das Augenlicht zu retten – vorausgesetzt eine Gewebespende steht zur Verfügung.
In Deutschland warten derzeit circa 3.000 Menschen auf eine Hornhautspende. Jeder Mensch, der an einem Herz-Kreislauf-Stillstand stirbt, kann spenden – im Falle der Augenhornhaut bis zu 72 Stunden nach dem Eintreten des Todes. Hierbei gibt es keine festen Altersgrenzen. Auch Brillen- oder Kontaktlinsenträger, Menschen mit einer Augenerkrankung oder sogar einer Augenoperation kommen als Spender der Augenhornhaut infrage. Gewebespenden sind in jedem Krankenhaus möglich. Zu den Voraussetzungen zählen die Einwilligung des Verstorbenen zu Lebzeiten oder die seiner Angehörigen im Sinne des Verstorbenen sowie der Ausschluss medizinischer Risikofaktoren wie z.B. übertragbare Krankheiten. Gewebe werden – anders als Organe – nicht sofort transplantiert. Gewebebanken bereiten die Gewebe auf. Sie werden umfassend untersucht, damit keine Krankheiten auf den Empfänger übertragen werden. Erst dann vermittelt die DGFG die Transplantate an Patienten.
Mit dem Ziel in Zukunft noch mehr Patienten mit einem Gewebetransplantat versorgen zu können, kooperiert das Pius-Hospital mit der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)
Nicole Schidlowski, Gewebespendekoordinatorin – DGFG Region Nord, organisiert die Gewebespenden für das Pius-Hospital. Hierbei wird geprüft, ob ein Verstorbener für die Spende z. B. der Augenhornhäute in Frage kommt. Liegen aus Sicht der zuletzt behandelnden Ärzte keine medizinischen Ausschlussgründe vor, werden die Angehörigen kontaktiert und über die Möglichkeit der Gewebespende aufgeklärt.
Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) ist eine gemeinnützige Gesellschaft. Sie organisiert seit mehr als 20 Jahren die Gewebespende und versorgt Patienten mit einem geeigneten Gewebetransplantat. Die DGFG hat ein Netzwerk zahlreicher Kliniken, Gewebebanken und anderer medizinischer Einrichtungen aufgebaut. Gesellschafter sind die Medizinische Hochschule Hannover, die Unikliniken Dresden, Leipzig und Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg.
Ansprechpartnerin für Hornhautspenden

Nicole Schidlowski
DGFG Region Nord
Standort Oldenburg
Telefon 0441 403 70-117
E-Mail nicole.schidlowski@gewebenetzwerk.de

Michaela Schramm
Telefon 0441 229-1561
Telefax 0441 229 -1569
E-Mail orthopaedie@pius-hospital.de
Klinische Qualifikationen
- Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie
- Spezielle Orthopädische Chirurgie
Wissenschaftliche Qualifikationen
- Prüfarzt (MPG und AMG)
- Leitlinienkommission Gonarthrose
Mitgliedschaften
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
- DGOU Arbeitsgruppe: iTech

Netzhaut- und Glaskörpererkrankungen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der konservativ-chirurgischen Behandlung von Netzhauterkrankungen. Hierzu zählt die moderne minimalinvasive vitreoretinale Chirurgie zur Behandlung von Netzhautablösungen, Makulaerkrankungen und der durch Diabetes ausgelösten proliferativen Netzhautveränderungen, sowie die Therapie insbesondere der feuchten altersabhängigen und anderer Formen der Makuladegeneration und anderer entzündlicher/infektiöser Netzhaut-Glaskörpererkrankungen.
Daneben werden die modernen Laserverfahren und Glaskörpermedikamenteneingaben angewandt.
Erkrankungen der zentralen Netzhaut, der sogenannten Makula, können zu einer starken Verschlechterung des Sehens führen. Ein verzögerter Therapiebeginn kann dauerhafte Schäden an der Netzhaut zur Folge haben. Daher ist unser Ziel ist eine rechtzeitige Diagnose und Therapie einzuleiten, um Ihre Sehkraft zu erhalten und das Fortschritt der Erkrankung zu verhindern. Wir nehmen uns Zeit für Sie und Ihre Angehörigen. Wir erläutern Ihnen die Erkrankung Ihren individuellen Therapieplan, den wir an Ihre Bedürfnisse und Erkrankungsaktivität anpassen.
Bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) treten Veränderungen an der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) bei Menschen ab 55 Jahren auf.
Die AMD ist eine fortschreitende chronische Erkrankung und eine der Hauptursachen für den Verlust des Sehvermögens weltweit. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung werden Lesen, Fernsehen, Autofahren oder das Erkennen von vertrauten Gesichtern und Farben schwieriger. Schließlich nehmen Betroffene in der Mitte des Gesichtsfeldes nur noch einen dunklen Fleck wahr. Die meisten Sehverluste treten in den späten Stadien der Krankheit auf. Da diese Erkrankung die äußere Netzhaut ausspart, bleibt den Betroffenen ihre Orientierungsfähigkeit im Raum erhalten. Sie können ihr Umfeld erkennen und die Wahrnehmung von Hell und Dunkel unterscheiden.
Verlauf und Formen
Die AMD tritt meistens beidseitig auf. Dabei können sich die Augen der Person in unterschiedlichen Stadien der Erkrankung befinden. Man unterscheidet ein früheres, mittleres und fortgeschrittenes Stadium.
Trockene AMD
Die trockene AMD ist die häufigste Form. In der Makula herrscht eine besonders hohe Stoffwechselaktivität. Als Resultat entstehen Abbauprodukte, die sich als kleine, gelbliche Veränderungen in der Makula ablagern können – die sogenannten Drusen. Drusen sind nicht unbedingt krankhaft. Viele Menschen haben als normale altersbedingte Veränderungen Drusen in der Netzhaut. Erst wenn dieses vermehrte auftreten oder an Größe zunehmen, können sie Reaktionen in der Makula auslösen und die Sehzellen schädigen. Im Rahmen dieses Prozesses kommt es zu einem langsamen Absterben der Sehzellen, was mit einer Beeinträchtigung Sehfunktion verbunden ist.
Die trockene AMD ist (in der Regel) langsam fortschreitend und es kann viele Jahre dauern, bis die Betroffenen eine ernsthafte Sehverschlechterung wahrnehmen. Wenn nur ein Auge betroffen ist, bemerken Sie die Veränderungen Ihres Sehvermögens möglicherweise nicht und es kann zufällig bei einem Sehtest festgestellt werden. Deshalb ist es empfehlenswert jährlich ab dem 50. Lebensjahr eine Vorsorgeuntersuchung bei der Augenärztin/beim Augenarzt vorzunehmen.
Feuchte AMD
Die feuchte AMD tritt seltener auf und zeichnet sich durch die Entstehung von neuen Gefäßen in der Makula aus. Diese Gefäße neigen dazu, Blut und Flüssigkeit abzusondern. Dies kann die Sehzellen schädigen und zu Narbenbildung in der Makula führen, was einen weiteren Sehverlust zur Folge hat. Im Gegensatz zur trockenen AMD kann die feuchte AMD in relativ kurzer Zeit – Wochen oder Monaten – einen schweren Sehverlust verursachen. In Fällen, bei denen es zu einer Blutung kommt, kann ein Sehverlust plötzlich innerhalb von Stunden oder Tagen auftreten. Die Behandlungsmöglichkeiten wurden seit vielen Jahren erforscht. Die allererste Behandlungsoption wurde 2005 in Form von einer Injektion in das Auge eingeführt und seitdem werden immer neue Wirkstoffe entwickelt. Durch diese Therapie ist die Erblindungshäufigkeit durch eine feuchte AMD in den Industrieländern um circa 70 Prozent im Vergleich zu 2005 zurückgegangen. Heutzutage kann die Erkrankung über eine lange Zeit aufgehalten und die Sehfähigkeit erhalten werden.
Der Diabetes Mellitus, umgangssprachlich „Zuckerkrankheit“ genannt, ist eine Volkskrankheit unserer Zeit. Er zeichnet sich durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel aus. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 1985 weltweit rund 30 Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Im Jahr 2000 waren es bereits 177 Millionen. Schätzungsweise lag die Zahl an Diabetes erkrankten im Jahr 2021 bei ca. 537 Millionen. Diese Zahl wird bis 2030 auf ca. 643 Millionen und bis 2045 auf ca. 783 Millionen ansteigen.
Die diabetische Retinopathie ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Erhöhte oder stark schwankende Blutzuckerwerte über einen langen Zeitraum führen zur Schädigung der Gefäße in der Netzhaut, die sogenannte Mikroangiopathie. Als Folge kommt es zu einer Minderdurchblutung. Die Netzhaut leidet an Sauerstoffmangel. Wenn sich die Versorgung der Netzhaut weiter verschlechtert, bilden die Zellen kompensatorisch Wachstumsfaktoren. Ihre Rolle besteht darin, die Bildung von neuen Gefäßen anzuregen und damit eine bessere Versorgung zu gewährleisten. Die Entstehung von diesen neuen Gefäßen wird als proliferative (wuchernde) Phase der diabetischen Netzhauterkrankung bezeichnet. Die neugebildeten Gefäße sind jedoch durchlässiger und begünstigen die Entstehung von Einblutungen und Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhaut.
Ein chronischer Flüssigkeitsaustritt in den zentralen Bereich der Netzhaut (Makula) führt zu einer Schwellung, dem sogenannten Makulaödem. Nimmt dieses zu, verschlechtert sich die Sehkraft. Das diabetische Makulaödem ist eine Komplikation der diabetischen Retinopathie und kann in jeder Phase der Erkrankung auftreten.
Eine mögliche therapeutische Maßnahme zur Behandlung der diabetischen Retinopathie und Makulopathie ist die IVOM-Therapie sowie in ausgewählten Fällen die Laserbehandlung. Eine augenärztliche Untersuchung ist unabdingbar, um die passende Therapie für den jeweiligen Patienten auszuwählen.
Retinale Gefäßverschlüsse sind nach der diabetischen Retinopathie die zweithäufigste Gefäßerkrankung des Auges. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der eine Vene, die das Blut aus der Netzhaut abtransportiert, blockiert ist – beispielsweise durch ein Blutgerinnsel oder durch Verkalkung verhärteter Arterien, die auf eine Vene drücken. Durch die Blockade kommt es zu einem Rückstau des Blutes und einer erhöhten Spannung in den Gefäßen, wodurch vermehrt Flüssigkeit austritt. Dies führt zu einer Schwellung der Netzhaut und einer Verminderung der Sehkraft, wenn die Makula mitbetroffen ist. Im Laufe der Zeit können auch zusätzliche Blutgefäße in der Netzhaut entstehen, die zu weiteren Blutungen und Flüssigkeitseinlagerungen führen können. Dies kann die Sehkraft weiter beeinträchtigen und die Symptome verschlimmern. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtig, um eine dauerhafte Schädigung der Netzhaut zu vermeiden.
Die Symptome können akut auftreten und umfassen eine plötzliche Verschlechterung der Sehkraft, verschwommenes Sehen oder das Auftreten von dunklen Flecken im Sichtfeld.
Die Behandlung hängt von der Schwere der Erkrankung ab. In einigen Fällen kann eine Beobachtung ausreichen, während in anderen Fällen eine medikamentöse Behandlung notwendig ist. Eine Möglichkeit ist die Injektion von Medikamenten in das Auge, um die Schwellung der Netzhaut zu reduzieren und den Blutfluss zu verbessern. In schweren Fällen kann auch eine Laserbehandlung erforderlich sein, um den Wachstum krankhafter Gefäße zu stoppen oder zu verhindern.
Sogenannte VEGF-Hemmer sind Medikamente, welche die Wirkung des sogenannten Wachstumsfaktors VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) blockieren. VEGF fördert die Bildung neuer, krankhafter Blutgefäße im Auge und erhöht die Durchlässigkeit der Blutgefäße, wodurch sich vermehrt Blut- und Flüssigkeit in der Netzhaut ansammeln kann. Durch die VEGF-Blockade wird das Wachstum der Gefäße verhindert und die bereits vorhandene Ödeme können austrocknen. Diese Medikamente sind häufig eine effektive Therapie für Netzhauterkrankungen wie die AMD, das diabetische Makulaödem und die retinalen venösen Verschlüsse. Durch die Hemmung von VEGF können die Symptome gelindert und der Fortschritt der Erkrankung verlangsamt oder aufgehalten werden.
Behandlungsstrategien
VEGF-Inhibitoren werden als Injektionspräparate angewendet und direkt ins Auge injiziert. Die Häufigkeit der Injektionen spielt eine wichtige Rolle bei der Verbesserung und Aufrechterhaltung der Sehergebnisse. Das Hauptziel ist, die Anzahl der Injektionen für den Patienten auf das notwendige Minimum zu reduzieren und gleichzeitig das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Behandlungsprotokoll
Bei der Anpassung der Injektionsintervalle existieren verschiedene Behandlungs-Schemata. In unserer Klinik verwenden wir:
„PRN“-Schema
Hierbei handelt es sich um eine Behandlung nach Bedarf (lateinisch: "pro re nata", abgekürzt: PRN). Bei diesem Schema wird zunächst eine Serie mit drei Injektionen im Abstand von vier Wochen durchgeführt. Vier Wochen nach der dritten Injektion wird der Befund mittels Schichtaufnahme der Makula (OCT-Untersuchung) kontrolliert. Anhand dieser Kontrolle wird entschieden, ob weitere Behandlungen notwendig sind. Wenn keine Anzeichen für eine Aktivität vorliegen, wird eine Therapiepause eingelegt und gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften alle vier Wochen kontrolliert, um sicherzustellen, dass keine erneute Flüssigkeit auftritt. Sollten sich bei der Kontrolle Zeichen einer Aktivität zeigen, wird wieder eine Injektionsserie von drei Injektionen im Abstand von vier Wochen durchgeführt. Das PRN Schema ist effektiv bei Patienten mit geringer Krankheitsaktivität. Durch die Therapie wird eine Trockenheit der Makula erreicht und sorgt dafür, dass diese für längere Zeit erhalten bleibt.
„Treat and Extend“-Schema
Das „Treat and Extend"-Schema basiert auf der Tatsache, dass jeder Patient unterschiedlich auf die Behandlung anspricht. Daher wird die Behandlung auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten und die Aktivität der Erkrankung abgestimmt. Dies bedeutet, dass die Behandlungsdauer, die Häufigkeit der Injektionen und die Art der Medikamente, je nach Bedarf, angepasst werden können.
Die Behandlung nach diesem Schema beginnt mit einer intensiven Phase, in der die Person regelmäßig Injektionen in monatlichen Abständen erhält. Sobald sich der Zustand der Makula stabilisiert, wird die Häufigkeit der Injektionen allmählich reduziert, indem die Intervalle zwischen den Injektionen schrittweise bis auf einen Zeitraum von mehreren Monaten verlängert werden. Während des Treat and Extend-Schemas wird der Fortschritt der Erkrankung regelmäßig durch die Augenärztin/den Augenarzt am Tag der Injektion kontrolliert, um sicherzustellen, dass die Behandlung angemessen angepasst wird. Dies kann durch eine Kombination aus visuellen Tests und Bildgebungstechnologien wie der optischen Kohärenztomographie (OCT) erfolgen.
Das Behandlungsschema hat den Vorteil, dass die Anzahl der Injektionen und Kontrollvisiten reduziert wird, was die Belastung für den Patienten verringert und dabei gleichzeitig eine stabile Sehschärfe und ein trockener Makulabefund erreicht werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass es sich sehr gut für Patienten mit erhöhter Krankheitsaktivität eignet. Bei diesen Patienten trifft die Erkrankung besonders aggressiv auf und es kommt häufig vor, dass die Krankheit kurz nach Beendigung der Therapie erneut ausbricht. In solchen Fällen kann es angemessener sein, das Treat and Extend-Schema anzuwenden. Das Ziel ist es, das optimale Injektionsintervall für den jeweiligen Patienten zu finden, das dazu beiträgt, die Makula frei von Flüssigkeit zu halten.
| Makulasprechstunde | Dienstag und Donnerstag | 8.00 bis 13.00 Uhr |
|---|---|---|
| IVOM-Ambulanz (Intravitreale Medikamenteneingabe, Injektionen) | Montag bis Donnerstag | 14.00 bis 16.00 Uhr |
| Kontakt/Rückfragen/Terminabsagen | Sonja Müller | E-Mail sonja.mueller@pius-hospital.de |

Strabologie, Neurophtalmologie, Kinderophthalmologie
In der strabologischen Ambulanz der Universitätsklinik für Augenheilkunde beschäftigt sich das Team aus Ärzten und Orthoptisten mit der Diagnostik und Behandlung von sämtlichen Schielerkrankungen und Augenbewegungsstörungen des Erwachsenen- und Kindesalters. Darüberhinaus beinhaltet das Behandlungsspektrum Erkrankungen des okulären Bewegungsapparates und seiner Anhangsgebilde (z.B. Lider und Augenhöhle), sowie die gesamte Breite der Kinderophthalmologie. Klinisch und wissenschaftlich besteht eine enge Vernetzung mit den anderen Fachdisziplinen der Medizin am Pius-Hospital und Außerhalb (Neurologie, Radiologie, Neurochirurgie, HNO, Kinderheilkunde und weitere), sowie dem Labor für experimentelle Ophthalmologie der Universitätsklinik für Augenheilkunde, wobei sowohl interdisziplinäre klinische, als auch grundlagenwissenschaftliche Projekte gemeinsam bearbeitet werden.
Bei Schielerkrankungen weicht die in allen Blickrichtungen generell parallele Augenstellung aus der Parallelität ab und die Blickachsen kreuzen sich. Die Schielabweichung kann deutlich sichtbar sein, es gibt aber andererseits auch kosmetisch kaum störende, kleinwinkelige Schielerkrankungen. Das Schielen führt im Kindesalter häufig zu einer ausbleibenden Entwicklung der Sehfähigkeit, das abweichende Auge wird schwachsichtig (Amblyopie). Schielen im Kindesalter, gerade auch bei nur zeitweiligem Auftreten, ist niemals „süß“ sondern eine ernst zu nehmende Erkrankung, die durch Spezialisten untersucht werden muss. Im Erwachsenenalter machen sich erworbene Schielformen häufig mit der Wahrnehmung von Doppelbildern oder auch nur durch verschwommenes Sehen bemerkbar.
Das Spektrum der Schielerkrankungen ist vielgestaltig und reicht vom Innenschielen (Esotropie) über Außenschielen (Exotropie) und Höhenschielen (Hyper- oder Hypotropie; Strabismus sursoadduktorius; Strabismus deorsoadduktorius) bis zum Verrollungsschielen (Zyklotropie). Häufig finden sich Kombinationen aus einer Hauptstörung und einer verkomplizierenden Höhenabweichung. Schielen kann von Geburt an bestehen (kongenitaler Strabismus; Fehlinnervationssyndrome) oder im Säuglings-, Kindes- oder Erwachsenenalter erworben werden. Weiter können ständige Schielformen (manifester Strabismus) von gelegentlichen Abweichungen (Latenter Strabismus) unterschieden werden. Lähmungen der Augenmuskeln (paretisches Schielen) treten meist mit zunehmendem Alter bei erwachsenen Patienten infolge von Durchblutungsstörungen, Schlaganfällen oder Allgemeinerkrankungen auf. Auch entzündliche Erkrankungen der Augenmuskeln (Myositis) oder der Augenhöhle (Endokrine Orbithopathie) können Schielabweichungen verursachen. Unsere therapeutischen Überlegungen und operativen Möglichkeiten richten sich stets nach dem jeweiligen Befund und dem Alter des Patienten. Im Säuglings- und Kindesalter steht in erster Linie die Sehentwicklung im Vordergrund, die wir z.B. mittels Brillenverordnung und Einleitung einer Okklusionsbehandlung behandeln. In der Regel empfehlen wir bei Kindern eine Schieloperation vor der Einschulung.
Wir führen Schieloperationen zur Stellungskorrektur aller Schwierigkeitsgrade auf universitärem Niveau durch. Dies können Ersteingriffe aber auch komplexe Revisionseingriffe sein. Die Basis der Operationsplanung ist die exakte Vermessung der Abweichung, ggf. in allen neun Blickrichtungen. Nach einem Ausgleich des zu korrigierenden Schielwinkels mit einem Prisma und einer „Erprobung“ im freien Raum (Prismenadaptationstest) um mögliche postoperative Doppelbildwahrnehmung zu vermeiden, erfolgt die Festlegung der zu operierenden Augenmuskeln. Die gemessenen Schielwinkel werden in Operationsstrecken umgerechnet und die Augenmuskeln in der Operation entsprechend am Augapfel verlagert. Da wir möglichst in einem Eingriff die gesamte Störung beseitigen möchten, sind mitunter auch Eingriffe an beiden Augen gleichzeitig erforderlich. Auch für die Planung und Durchführung einer Schieloperation sind stets die individuellen Messungen und das vorliegende Krankheitsbild entscheidend.
- Diagnostische Orthoptik
- Messung des Schielwinkels inkl. Tangentenskala nach Harms
- Analyse der beidäugigen Zusammenarbeit
- Diagnostik von unklaren Sehstörungen, Augenzittern und Schwindel
- Fehlsichtigkeitsmessung bei Kindern und Erwachsenen mittels Skiaskopie und automatischen Refrakometern (z.B. Retinomax)
- Narkoseuntersuchungen
- Optische Cohärenztomographie (OCT)
- Augendruckkontrolle bei Kindern (Icare 200)
- Schielbehandlung inkl. Schieloperationen aller Schwierigkeitsgrade
- Therapie von okulär bedingten Kopfzwangshaltungen
- Subjektive Refraktionsbestimmung inkl. Prismenanpassung
- Amblyopiebehandlung
- Behandlung nach Linsenabsaugung bei kindlicher Linsentrübung